Von der (ewigen) Wiederkehr aller Dinge: Was setzt man dem Bindestrich-Christentum entgegen?
Geschrieben von mohri am 13. März 2011
Anfang des 21. Jahrhunderts:
Die Theologie, das Christentum selber, ist einer Mannigfaltigkeit verschiedener Richtungen und Denominationen vorhanden, wie es nie zuvor wohl möglich war.
Eben dadurch werden für die Theologie immer weitere Einflüsse menschlichen Lebens relevant: Soziologie, Psychologie, andere Religionen, usw.
Dies führt, wie man sehen kann, die Gotteslehre immer weiter davon ab, was sie eigentlich sein soll: Eben jene Lehre von dem einen, wahren und lebendigen Gott.
Sie will immer weniger jenes Instrument sein, das zum allmächtigen Gott führt, vielmehr aber das was den Menschen wohl gefällt; nicht mehr in klarer und schlichter Weise von dem Gott reden, der Himmel und Erde, die Menschheit schuf, sondern viel lieber davon, wie die Menschheit von Gott hören will.
Die “rechte Art und Weise” von Gott zu sprechen ist nunmehr verkommen zum profanen Gedankenaustausch von Christen, Atheisten und Heiden darüber, wie christlicher Glaube in der hiesigen Welt akzeptabel umgesetzt werden kann.
“Alle alten Traditionen gehören verdammt” sagen da manchen Stimmen, “Gott ist nicht nur durch Christus erfahrbar”, andere Stimmen, und wieder Andere: “die Aufgabe der Kirche ist Mission, das heißt: wir müssen unser (vermeintlich) christliches Denken und Handeln, unsere Ethik und Dogmatik umwandeln, vllt. sogar auflösen um der Menschen Willen”.
Diese Beispiele zeigen Denkmuster einiger “Theologen”. Sie mögen Pfarrer, Doktoren, oder Professoren sein, doch betreiben sie keine Theologie.
Denn nicht jeder Theologe, der sich so nennt, ist in Christi Sinn Theologe, nicht jeder Christ Nachfolger dessen, auf den er sich laut des Wortes beruft.
Mit Sicherheit will ich kein Plädoyer für eine erstarre Kirche einlegen, doch kann man als Christen seinen Lebenssinn dermaßen verfehlen? Ja man kann:
All dies, wohl in abgewandelter Form, war in gewisser Weise auch schon das Problem des Protestantismus vor knapp 100 Jahren.
Damals jedoch gab es Einige, die dem Bindestrich-Christentum etwas entgegensetzten wollte; als Paradebeispiel beziehe ich mich hier einmal auf Karl Barth zu seiner 1. Wende, der des Römerbriefs, aus dem heraus sich folgende Punkte in theologisch rechter Art und Weise ableiten lassen:
1. Gott ist Gott
Wir wollen hierbei nicht vom Gott der Menschheit reden – dem graubärtigen alten Opa der im Himmel gerne mal ein Auge zudrückt – sondern von Jenem, der Allmächtig ist, von Jenem der die Heiligkeit in Person ist, von Jenem der Gericht über die Welt halten wird.
Gott ist Gott in seiner ganzen dreieinigen Person, in der transzendenten Jenseitigkeit aller menschlichen Erfahrung und Logik. Er ist zur Gänze anders als die Welt, denn er will sich nicht den Menschen anpassen, sondern steht souverän über ihnen. Er ist der Schöpfer, wir sind seine Kreaturen, von ihm erschaffen, Gott ist fern von jeder Religion, jeder Sünde und Ungerechtigkeit.
2. Die Welt ist die Welt
Die Welt ist nicht Gott, weder die Götter, die wir uns erschaffen, noch wir Menschen selber sind es.
In der Diesseitigkeit besteht ihre Natur, in der Gefallenheit ihre Bestimmung, eben ganz im Gegensatz zu Gott: die Welt existiert in Zeit und Raum, Gott herrschst und wirkt aus der Ewigkeit heraus.
Die Welt mit ihren fixen Vorstellungen vom Schöpfer, in ihrer sündhaften Natur, ihrer Abgefallenheit, ihrer moralischen Verwerflichkeit, ihrem exorbitanten Unglauben hat keine Verbindung zu dem durch und durch heiligen Gott, dem die Engel dienen; er wendet sich ab und stellt sich gegen diese Gefallenheit der Welt.
Auch wenn Viele meinen, man selbst könne zum Gott werden, oder den Gott in uns selbst finden, so ist es doch nur hohles Gefasel: der Mensch in seiner Ganzheit wandelt im Schatten der Sünde, die ihn ergreift vom Scheitel bis zur Sohle.
3. Gott trifft die Welt
So wie er die Welt einst schuf, wird er auch über sie Gericht halten in aller härte gegen ihre sündhafte Natur. Wie “ein Blitz” die Erde trifft, so wird das Gericht Gottes über die Menschen ergehen, in aller Härte und doch in vollkommener Gerechtigkeit. Nichts und niemand vermag diese Urgewalt – wenn man davon sprechen kann dann wohl nur von der omnipotenten Gewalt Gottes – etwas entgegenzusetzen.
4. Die Offenbarung Gottes
Gottes Offenbarung ist aus der transzendenten Jenseitigkeit in die immanente Diesseitigkeit einzig und allein in der Offenbarung seines Sohnes Jesus Christus möglich.
Genauso wie er von den Aposteln, den Propheten bezeugt und vorhergesagt wurde ist er die leibhaftige Offenbarung durch seine zugleich ganze Menschlichkeit und Göttlichkeit gegeben. Nur wer diese Offenbarung im Glauben empfängt und an ihr festhält wird vom Zorn Gottes nicht erfasst werden.
Was bedeutet das nun, ist denn Gott nicht der liebe Gott der sich den Menschen, seinen Kindern, nähern will und möchte dass ein Jeder in den Himmel kommt?
Erst jener Mensch, der begreift dass sich Gott gegen sein sündiges Fleisch, seine Natur, die er auf Grund der Erbsünde innehat richtet und dies annimmt, kann Rettung durch Christus empfangen. Denn dann greifen die Worte unseres Herrn: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, keine kommt zum Vater denn durch mich… Ich bin die Auferstehung, usw.”.
Gott richtet sich gegen das Bindestrich-Christentum, das versucht seine Göttlichkeit außer Kraft zu setzen, ihn zum profanen Etwas zu degradieren; Gottesdienste so zu gestalten dass sich Menschen in ihm “wohlfühlen”, doch in jenen “christlichen” Zusammenkünften will der Herr nicht wohnen, denn es gibt ihm keine Ehre. Dies soll keine Absage an eine stetige Reformation der göttlichen Gemeinschaft der Heiligen sein, doch muss diese vom Heiligen Geist selbst her kommen, nicht aus der Menschen Moral und Logik.
Erst wenn die Erkenntnis offenbar wird, das die Menschheit nicht seins-analog zu Gott, das heißt nicht das Wesen Gottes innehat, kann die Glaubensanalogie, was eben Christus in uns meint, greifen, allein doch durch Glauben und Gnade. Denn die Christenheit ist nicht dazu berufen jedem Menschen Gott schmackhaft zu machen, sondern sein Evangelium zu verkündigen; die Gemeinschaft der Heiligen soll aus der Versammlung um das Wort herum leben: zum Einen aus der sonntäglichen Versammlung, in deren Mittelpunkt die Verkündigung des göttlichen Wortes und die Sakramente stehen. Denn darin ist der Herr leibhaftig anwesend: aus der transzendenten Jenseitigkeit wird eine immanent-transzendente Leibhaftigkeit im Diesseits.
Zum Anderen aus der stetigen Versammlung um das lebendig gewordene Wort Gottes: Christus selbst, wie es die ganze Schrift zeugt; nur wer an ihn glaubt wie es eben jenes Heilige Wort bekundet, aus dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen, eben nur dann kann man sich Christ nennen.
Rekapitulierend soll dem Mode-Christentum, der Emerging Church- Bewegung, die man gut und gerne als Bindestrich-Christentum betiteln kann und eben die sich als „neuprotestantisch“ profiliert, ein Zitat von Karl Barth abschließend entgegengesetzt werden: „Lieber katholisch als neuprotestantisch“.
Denn, wie schon angedeutet, vermag Gott nichts anzufangen mit einem „Christentum“ der Mannigfaltigkeit, da es keine absolute Wahrheit, keinen schmalen Weg, keine enge Pforte, eine philosophische Auslegung der Heiligen Schrift, eine Abkehr vom wahren Glauben, eine Ablehnung der Göttlichkeit Gottes -und somit Jesu Christi und seiner Schrift-, wie es in allzu vielen Emerging-Bewegungen ja der Fall ist, anzufangen, sondern schallend darüber zu lachen was sich heute alles „Christlich“ nennt und unter diesem Decknamen agiert. Punktum: Gott wird auch über Jene am Jüngsten Tag Gericht halten.
So soll dieser kleine Einblick in Teile der dialektische Theologie ein wahrhaftig-christlichen Kontrast zu der heutigen Theologie, egal ob ultra-orthodox, ultra-evangelikal, liberal oder emerging, darstellen und kann mit Sicherheit gute Glaubensgrundlage sein.
Boris sagte
“Denn, wie schon angedeutet, vermag Gott nichts anzufangen mit einem „Christentum“ der Mannigfaltigkeit, da es keine absolute Wahrheit, keinen schmalen Weg, keine enge Pforte, eine philosophische Auslegung der Heiligen Schrift, eine Abkehr vom wahren Glauben, eine Ablehnung der Göttlichkeit Gottes -und somit Jesu Christi und seiner Schrift-, wie es in allzu vielen Emerging-Bewegungen ja der Fall ist, anzufangen, sondern schallend darüber zu lachen was sich heute alles „Christlich“ nennt und unter diesem Decknamen agiert”
Das klingt ziemlich nach einem orthodoxen (die Konfession ist hier gemeint) Standpunkt!
mohri sagte
Für die Einen bin ich streng konservativ (bis hin zum Orthodoxen) und für den Nächsten zu liberal, von daher…
Es ist nur meine Beurteilung von dem, was ich “kennengelernt” habe und ich glaube, dass man nicht Alles über Bord werfen sollte, nur damit Menschen kommen…